Nachtabsenkung der Heizung: Wann sie sich lohnt und wann nicht

Nachts die Heizung herunterdrehen klingt nach einer sicheren Sparmaßnahme. Ob es tatsächlich etwas bringt, hängt aber stark davon ab, ob Sie mit Heizkörpern, Fußbodenheizung oder Wärmepumpe heizen und wie gut Ihr Haus gedämmt ist. Hier steht, wann sich die Nachtabsenkung lohnt, welche Temperatur nachts sinnvoll ist und wann Sie besser darauf verzichten.

Die kurze Antwort nach Heizsystem

Ob sich eine Nachtabsenkung lohnt, hängt weniger von der Heizung selbst ab als davon, wie schnell Ihr Haus auskühlt und wie träge das System reagiert. Die folgende Übersicht ist eine erste Orientierung. Weiter unten steht, warum das so ist.

SituationNachtabsenkung?Warum
Heizkörper, Gas oder Öl, älteres HausJa, etwa 3 bis 4 GradDas Haus verliert nachts viel Wärme, Heizkörper heizen morgens schnell wieder auf
Heizkörper, gut gedämmtes HausJa, aber der Effekt ist kleinerEs geht nachts nur wenig Wärme verloren
FußbodenheizungMeist kaum oder gar nichtDer Estrich speichert viel Wärme und reagiert erst nach Stunden
WärmepumpeHöchstens leicht, besser testenKräftiges Wiederaufheizen am Morgen senkt die Effizienz
Mietwohnung mit ZentralheizungÜber programmierbare ThermostateDie zentrale Absenkung stellt der Vermieter ein

Wie viel spart eine Nachtabsenkung wirklich?

Die Energieberatung der Verbraucherzentralen nennt für ein Einfamilienhaus mit konsequenter Nachtabsenkung eine Ersparnis von etwa 5 bis 12 Prozent der Heizenergie, verglichen mit durchgehendem Heizen. Am oberen Ende liegen schlecht gedämmte Altbauten mit Heizkörpern, am unteren gut gedämmte Häuser.

Vorsicht bei der oft zitierten Faustregel, jedes Grad weniger spare rund sechs Prozent. Sie gilt für eine Absenkung über die ganze Heizperiode, rund um die Uhr. Wer nur acht Stunden pro Nacht absenkt, kann diesen Wert nicht einfach übernehmen. Dazu kommt: Ein Teil der Ersparnis geht am Morgen wieder verloren, wenn Wände und Möbel erst wieder warm werden müssen.

Fußbodenheizung: Warum die Absenkung oft verpufft

Eine Fußbodenheizung arbeitet mit niedrigen Temperaturen und einer großen, schweren Fläche. Bis eine Änderung im Raum spürbar wird, vergehen oft mehrere Stunden. Senken Sie um 22 Uhr ab, kühlt der Boden langsam aus, und am Morgen muss die Anlage mit höherer Leistung gegensteuern, damit es pünktlich warm ist. Unterm Strich bleibt in einem gut gedämmten Haus wenig übrig. Der Bundesverband Flächenheizungen empfiehlt deshalb, Fußbodenheizungen gleichmäßig durchlaufen zu lassen.

Wenn Sie es trotzdem versuchen möchten, senken Sie höchstens um ein bis zwei Grad und beginnen Sie damit früh, etwa zwei Stunden vor dem Schlafengehen. Mehr zur richtigen Grundeinstellung steht im Ratgeber zur Vorlauftemperatur bei Fußbodenheizung.

Wärmepumpe: lieber gleichmäßig heizen

Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je niedriger die Vorlauftemperatur ist, die sie liefern muss. Eine kräftige Nachtabsenkung führt dazu, dass sie morgens mit höherer Temperatur nachheizen muss, gerade dann, wenn es draußen am kältesten ist. Im ungünstigen Fall springt dabei sogar der elektrische Heizstab an. Die Ersparnis der Nacht ist dann schnell aufgezehrt.

Bei Wärmepumpen mit Fußbodenheizung raten viele Fachleute deshalb ganz von der Nachtabsenkung ab. Wer es ausprobieren will, senkt nur leicht und vergleicht den Stromverbrauch über einige Wochen mit und ohne Absenkung. Eine gut eingestellte Heizkurve und ein hydraulischer Abgleich bringen meist mehr.

Welche Temperatur ist nachts richtig?

Das Umweltbundesamt empfiehlt, Wohnräume nachts auf etwa 18 Grad abzusenken. Für Schlafzimmer gelten 16 bis 18 Grad als angemessen. Die Verbraucherzentralen raten davon ab, regelmäßig genutzte Räume unter 16 Grad auskühlen zu lassen.

Der Grund ist Feuchtigkeit. Im Schlaf gibt jeder Mensch Wasser an die Raumluft ab, und kalte Wände lassen diese Feuchtigkeit leichter kondensieren. Wer stark absenkt, sollte morgens gründlich lüften und die Luftfeuchte im Blick behalten. Welche Werte dabei normal sind, zeigt unser Ratgeber zur optimalen Luftfeuchtigkeit.

Von wann bis wann absenken?

Bei Heizkörpern lohnt es sich, die Absenkung etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen beginnen zu lassen. Das Heizungswasser ist dann noch warm, und der Raum kühlt erst langsam ab. Morgens sollte die Heizung etwa eine Stunde vor dem Aufstehen wieder auf Normalbetrieb gehen. Bei trägen Systemen wie der Fußbodenheizung verschiebt sich beides um ein bis zwei Stunden nach vorn.

Heizung nachts ganz abschalten?

Davon raten Energieberater ab. Kühlt die Wohnung komplett aus, kostet das Wiederaufheizen viel Energie, und an kalten Außenwänden steigt das Risiko für Schimmel. Ist es dafür schon zu spät, hilft unser Ratgeber Schimmel an der Wand entfernen. Eine moderate Absenkung ist fast immer die bessere Wahl als das Abschalten.

So stellen Sie die Nachtabsenkung ein

Bei einer Zentralheizung im Einfamilienhaus finden Sie die Funktion meist in der Regelung am Kessel oder an der Wärmepumpe, oft als Absenkbetrieb oder mit einem Mond-Symbol. Dort legen Sie Zeiten und die abgesenkte Temperatur fest. In Mietwohnungen stellt der Vermieter die zentrale Regelung ein. Sie selbst können über programmierbare Heizkörperthermostate einzelne Räume nachts herunterregeln, was die Verbraucherzentralen ausdrücklich empfehlen.

Häufige Fragen

Um wie viel Grad sollte ich nachts absenken?

Bei Heizkörpern sind 3 bis 4 Grad üblich, also etwa von 21 auf 17 oder 18 Grad. Bei Fußbodenheizung und Wärmepumpe höchstens 1 bis 2 Grad, oft ist gar keine Absenkung sinnvoller.

Lohnt sich die Nachtabsenkung im Neubau?

Meist nur wenig. Ein gut gedämmtes Haus verliert nachts kaum Wärme, entsprechend klein ist die Ersparnis. Mit Fußbodenheizung und Wärmepumpe kann sie sogar ganz verschwinden.

Ist die Nachtabsenkung schlecht für die Heizung?

Für einen Gas- oder Ölkessel ist sie unproblematisch, moderne Regelungen sind dafür ausgelegt. Bei Wärmepumpen kann häufiges kräftiges Nachheizen die Effizienz senken. Das ist kein Schaden am Gerät, kostet aber Strom.

Was ist der Unterschied zwischen Nachtabsenkung und Nachtabschaltung?

Bei der Absenkung läuft die Heizung mit niedrigerer Solltemperatur weiter, bei der Abschaltung geht sie bis auf den Frostschutz aus. Die Abschaltung spart selten mehr, lässt Räume aber stärker auskühlen und erhöht das Schimmelrisiko.

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