Wasserhahn tropft: Ursache finden und selbst reparieren

Ein tropfender Wasserhahn ist schnell repariert – meist in unter einer Stunde und für wenige Euro. In den allermeisten Fällen ist entweder eine poröse Dichtung (bei Zweigriffarmaturen) oder eine verschlissene Kartusche (bei Einhebelmischern) schuld. Beides können Sie selbst tauschen, ohne den Klempner zu rufen. In diesem Ratgeber finden Sie zuerst eine kurze Diagnose, mit der Sie die Ursache eingrenzen, dann die passende Schritt-für-Schritt-Anleitung für beide Armaturentypen – und die ehrliche Grenze, ab der sich der Fachbetrieb doch lohnt.

Zuerst diagnostizieren: Wo genau tropft es?

Bevor Sie zum Werkzeug greifen, lohnt sich ein genauer Blick – denn die Stelle, an der Wasser austritt, verrät die Ursache. Tropft es vorne aus dem Auslauf, liegt es fast immer an einer Dichtung oder Kartusche im Inneren. Tritt Wasser am Griff oder unter dem Drehgriff aus, ist meist ein O-Ring oder das Ventiloberteil undicht. Sammelt sich das Wasser dagegen unten am Sockel oder unter dem Waschbecken, sind nicht die Dichtungen im Hahn schuld, sondern die Anschlussschläuche oder deren Verschraubungen. Und wenn der Strahl nur unregelmäßig spritzt statt zu tropfen, ist häufig bloß der Perlator am Auslauf verkalkt – der günstigste Fall überhaupt.

Wasserhahn tropft – die drei häufigsten Austrittsstellen Auslauf, Griff und Sockel

Die häufigsten Ursachen

Der mit Abstand häufigste Grund ist eine verschlissene Gummidichtung. Sie wird mit den Jahren hart, porös oder reißt ein und kann das Wasser dann nicht mehr sicher stoppen – typisch für ältere Zweigriffarmaturen. Bei modernen Einhebelmischern übernimmt eine Keramikkartusche die Regelung von Menge und Temperatur; ist sie verkalkt oder abgenutzt, tropft der Hahn. Ein dritter Faktor ist Kalk: In Regionen mit hartem Wasser setzen sich Ablagerungen an beweglichen Teilen fest und verhindern, dass Dichtungen richtig schließen. Sitzt der Kalk nicht nur in der Armatur, sondern auch im Duschkopf, hilft der Ratgeber Duschkopf entkalken. Seltener sind ein beschädigter Ventilsitz oder eine lockere Verschraubung.

Das brauchen Sie

Viel Werkzeug ist nicht nötig: ein Schlitz- und ein Kreuzschraubendreher, ein Maulschlüssel oder eine Wasserpumpenzange, eventuell ein Inbusschlüssel für die Griffschraube. Dazu das passende Ersatzteil – eine neue Dichtung beziehungsweise ein Ventiloberteil bei der Zweigriffarmatur oder eine Ersatzkartusche beim Einhebelmischer. Hilfreich sind außerdem etwas Hahnfett (Silikonfett) für die beweglichen Teile und ein Lappen. Ein wichtiger Tipp vorab: Nehmen Sie das alte Teil mit in den Baumarkt. Kartuschen sind nicht genormt und passen nur zum jeweiligen Hersteller und Modell – notieren Sie sich Marke und Typ, etwa GROHE oder hansgrohe.

Werkzeug und Ersatzteile zum Wasserhahn reparieren – Schraubendreher, Schlüssel, Dichtungen und Kartusche

Zweigriffarmatur reparieren: Dichtung wechseln

Stellen Sie zuerst das Wasser an den Eckventilen unter dem Waschbecken ab und öffnen Sie den Hahn, damit der Druck entweicht. Hebeln Sie die farbige Abdeckkappe (rot und blau) auf dem Griff vorsichtig mit einem schmalen Schraubendreher ab. Darunter sitzt die Befestigungsschraube – lösen Sie sie und ziehen Sie den Griff ab. Nun liegt das Ventiloberteil frei; drehen Sie es mit einem Maulschlüssel heraus. An seiner Unterseite sitzt die Gummidichtung, die Sie einfach gegen eine neue gleicher Größe tauschen. Prüfen Sie bei dieser Gelegenheit auch den O-Ring am Oberteil. Setzen Sie alles in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammen und öffnen Sie die Eckventile langsam. Wichtig: Reparieren Sie am besten beide Seiten, dann tropft es so schnell nicht an der anderen Seite nach.

Zweigriffarmatur reparieren – Ventiloberteil herausdrehen und Dichtung wechseln

Einhebelmischer reparieren: Kartusche tauschen

Auch hier gilt zuerst: Wasser an den Eckventilen abstellen und Druck ablassen. Beim Einhebelmischer sitzt unter dem Hebel eine kleine Madenschraube, oft hinter einer Abdeckkappe mit rot-blauer Markierung. Lösen Sie sie mit einem Inbusschlüssel und nehmen Sie den Hebel ab. Darunter folgt meist ein Dekorring, den Sie abschrauben, dann die Spannmutter, die die Kartusche hält – dafür brauchen Sie einen passenden Maul- oder Ringschlüssel. Ziehen Sie die alte Kartusche heraus und reinigen Sie den Sitz; hartnäckigen Kalk lösen Sie mit etwas Entkalker. Setzen Sie die neue, typgleiche Kartusche ein, achten Sie dabei auf die richtige Ausrichtung der Führungsnasen, und ziehen Sie die Spannmutter handfest plus eine Viertelumdrehung an. Danach alles zusammenbauen und langsam aufdrehen.

Einhebelmischer reparieren – verkalkte Kartusche herausziehen und ersetzen
Einhebelmischer reparieren – verkalkte Kartusche herausziehen und ersetzen

Häufige Fehler, die Sie vermeiden sollten

Zwei Fehler kommen besonders oft vor. Der erste ist die falsche Dichtungsgröße: Ist die neue Dichtung zu groß, schließt der Hahn nicht mehr richtig, ist sie zu klein, dichtet sie nicht ab – deshalb immer das alte Teil zum Vergleich mitnehmen. Der zweite ist zu viel Kraft: Wer die Überwurfmutter oder Verschraubung zu fest anzieht, beschädigt Gewinde und Dichtungen. Handfest plus eine halbe Umdrehung genügt. Und ein dritter, teurer Fehler: an einem festsitzenden Eckventil mit Gewalt zu drehen. Bricht es ab, wird aus dem kleinen Tropfen schnell ein Wasserschaden.

Was kostet die Reparatur – selbst oder vom Profi?

Selbst gemacht ist die Reparatur sehr günstig: Eine Dichtung kostet wenige Cent bis unter fünf Euro, eine Ersatzkartusche je nach Marke 15 bis 40 Euro. Rufen Sie einen Installateur, berechnet er für den Tausch von Dichtung oder Kartusche meist 80 bis 150 Euro inklusive Anfahrt und Material. Das klingt nach viel für eine kleine Arbeit – kann sich aber lohnen, wenn ohnehin mehrere Kleinigkeiten anstehen, denn die Anfahrtspauschale fällt dann nur einmal an. Und es lohnt sich in jedem Fall, nicht zu lange zu warten: Ein tropfender Hahn verschwendet bis zu 15 Liter am Tag, das summiert sich übers Jahr spürbar.

Zur Miete: Wer darf reparieren?           

In der Mietwohnung ist der Tausch einer Dichtung oder Kartusche in der Regel unproblematisch – es handelt sich um eine Kleinreparatur, die oft ohnehin dem Mieter zugeordnet ist. Zurückhaltung ist aber angebracht, sobald es um mehr geht: Eine komplett neue Armatur oder Eingriffe an festsitzenden Eckventilen sollten Sie mit dem Vermieter absprechen, da hier in die Bausubstanz eingegriffen wird. Im Zweifel lieber vorher fragen – das erspart Ärger bei der Abrechnung.

Wann Sie den Fachbetrieb rufen sollten

Es gibt klare Grenzen für die Eigenreparatur. Was ein kompletter Austausch statt einer Reparatur kostet, steht unter Armaturen austauschen: Kosten. Sitzen die Eckventile fest, sind Verschraubungen korrodiert oder ist eine Unterputzarmatur verbaut, gehört die Arbeit in Fachhände – hier drohen sonst Leitungsschäden. Auch wenn der Hahn nach dem Dichtungs- oder Kartuschentausch weiter tropft, steckt oft ein beschädigter Ventilsitz dahinter, der Spezialwerkzeug verlangt. Ein Profi diagnostiziert das schnell und repariert es, ohne die Armatur zu beschädigen. Wer unsicher ist, ruft lieber einmal zu früh an als einmal zu spät.

Fazit

Ein tropfender Wasserhahn ist in den meisten Fällen ein Fall für eine halbe Stunde und ein paar Euro. Finden Sie zuerst heraus, wo das Wasser austritt, wählen Sie dann die passende Anleitung für Ihre Armatur – Dichtung bei der Zweigriffarmatur, Kartusche beim Einhebelmischer – und nehmen Sie das alte Teil zum Kauf mit. Nur bei festsitzenden Ventilen, Unterputzarmaturen oder anhaltendem Tropfen lohnt der Fachbetrieb. So sparen Sie sich nicht nur Kosten, sondern auch das nervende Geräusch – und bares Wasser dazu.

Häufige Fragen

Warum tropft mein Wasserhahn?
Meist ist eine poröse Dichtung (bei Zweigriffarmaturen) oder eine verschlissene Keramikkartusche (bei Einhebelmischern) schuld. Auch Kalkablagerungen oder ein beschädigter Ventilsitz kommen infrage. Wo das Wasser austritt – Auslauf, Griff oder Sockel – verrät die Ursache.

Kann ich einen tropfenden Wasserhahn selbst reparieren?
Ja, in den meisten Fällen. Bei der Zweigriffarmatur tauschen Sie die Dichtung im Ventiloberteil, beim Einhebelmischer die Kartusche. Beides gelingt mit einfachem Werkzeug in etwa einer halben Stunde. Wichtig: vorher das Wasser an den Eckventilen abstellen.

Was kostet die Reparatur eines tropfenden Wasserhahns?
Selbst gemacht sehr wenig: eine Dichtung kostet unter fünf Euro, eine Kartusche 15 bis 40 Euro. Ein Installateur berechnet für Dichtungs- oder Kartuschentausch meist 80 bis 150 Euro inklusive Anfahrt und Material.

Welche Kartusche passt in meinen Wasserhahn?
Kartuschen sind nicht genormt und passen nur zum jeweiligen Hersteller und Modell. Notieren Sie Marke und Typ Ihrer Armatur, etwa GROHE oder hansgrohe, und nehmen Sie am besten die alte Kartusche mit in den Handel.

Wann sollte ich einen Fachbetrieb rufen?
Bei festsitzenden Eckventilen, korrodierten Verschraubungen oder einer Unterputzarmatur. Auch wenn der Hahn nach dem Tausch von Dichtung oder Kartusche weiter tropft, sollte ein Profi den Ventilsitz prüfen.

Darf ich in der Mietwohnung den Wasserhahn reparieren?
Einen Dichtungs- oder Kartuschentausch dürfen Mieter in der Regel selbst vornehmen, das gilt als Kleinreparatur. Eine komplett neue Armatur oder Eingriffe an den Eckventilen sollten Sie mit dem Vermieter absprechen.

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